„We want impact“ – Stiftungstreff zu Besuch bei Phineo in München

Beim SoNET-Netzwerktreffen am 10. November 2022 stellten Expert:innen das gemeinnützige Analyse- & Beratungshaus Phineo vor und sprachen über Philanthropie und Impact Investing. Rund 30 Gäste waren zum lockeren Zusammentreffen im Münchner Phineo-Office in der Nymphenburger Straße gekommen. 

„Es herrscht massive Intransparenz in einem finanzstarken Bereich“, stellten Linda Gugelfuß, zuständig für Großspender und Wirkungsanalyse, und ihre Impact-Investing-Kollegen Susanne Bregy und Antonis Schwarz fest. „Wir arbeiten gemeinsam daran, dass gesellschaftliches Engagement wirklich etwas bewirkt“. Phineo unterstützt gemeinnützige Organisationen, Unternehmen und Spender, dass sie ihre Ziele besser erreichen. Investor:innen sollten stets in drei Kategorien denkt: Risiko, Rendite und Wirkung. Dabei hilft es, Wirk-Ziel-Analysen zu erstellen und die einzelnen Schritte klar zu definieren. In den Phineo-Workshops zum Wirkungsmanagement wurden in zwei Jahren über 220 Personen ausgebildet. Wichtig sei es, das Engagement zeitlich zu befristen. Als Beispiel nannte Gugelfuß die Initiative SKala der Unternehmerin Susanne Klatten, bei der 93 gemeinnützige Projekte über fünf Jahre mit insgesamt bis zu 100 Millionen Euro gefördert wurden. Phineo verantwortete die Entwicklung und Realisierung der Initiative.

Die Phineo-Expertin für Impact Investing, Susanne Bregy, will mit ihrem Team nach eigenen Angaben „den deutschen Impact-Investing-Markt aufwirbeln“. Sie war von der Berliner Phineo-Zentrale gekommen, um die SoNET Gäste mit einem leidenschaftlich Plädoyer für das „Investieren mit Wirkung“ zu begeistern. Impact Investing bedeute in erster Linie, fundamentale Probleme unternehmerisch anzugehen: „Die Lösung ist das Geschäftsmodell selbst. Jede Art der unternehmerischen Tätigkeit beteiligt sich daran, das Problem zu lösen“. Folglich wirkt sich das, was der Impactinvestor macht, direkt auf die Welt aus – es zählt der „real world impact“. Investoren sollten Unternehmen und Organisatoren finanzieren, deren Dienstleistungen oder Produkte die Welt real und nachhaltig verändern – so dass die Veränderung messbar ist. „Dafür nutzen wir Wissen und Tools aus dem traditionellen Finanzmarkt: Das Geschäftsmodell muss Rendite erwirtschaften, die dem Risiko entsprechen“, forderte Finanzexpertin Bregy. „Ohne Rendite wäre es reine Philanthropie“. Mit diesem Ansatz wunderte es die Zuhörer dann auch nicht, dass Invests in Anlagen mit ESG-Siegel für Bregy keine Lösung sind: „Wer ESG kauft, ändert nicht die Welt!“

Der dritte Gast des Abends, Antonis Schwarz, ist weit über die Münchner Stiftungsszene hinaus als Impact Investor, Philanthrop und Impact Investing Berater bekannt. Bei Phineo hilft er als Experte dabei, den Markt für wirkungsorientierte Investments weiter voranzutreiben. Schwarz riet jedem Investierenden, den Vermögensverwalter auf ESG- und Impact-Kriterien einer Anlage anzusprechen. Meist agierten „das Finanzteam hier und das Förderteam dort“. Dabei sollten finanzielle Investitionen zum Stiftungszweck passen. „Im Idealfall wird beim Investieren von Anfang an die Wirkung mitgedacht.“ Hinzu komme eine falsche Zurückhaltung nach dem Motto: „Man kann doch nicht Gutes tun und dabei Geld verdienen“. Schwarz hat seine eigenen, teils leidvollen Erfahrungen gemacht, „da war manches nicht so, wie es hätte laufen sollen“. Inzwischen weiß er: „Impact Investing ist eine sehr komplexe Assetklasse, das Feld entwickelt sich erst jetzt“.